Schulorganisatorische Maßnahmen zur Leseförderung

Förderstunden stehen nicht allen Schulen im gleichen Ausmaß zur Verfügung. Neben Lesefördereinheiten können einfache schulorganisatorische Maßnahmen können darauf abzielen, die Lesezeit zu erhöhen (rotierende Lesestunde), ältere SchülerInnen für die Leseförderung der Kleineren einzusetzen (Lesescouts & Lesekids), Computer für Leseförderprogramme (tierisch lesen) außerhalb der Unterrichtszeit zur Verfügung stellen, Family Literacy im Umfeld der Schule lebendig werden zu lassen (SchülerInnen als Lesebotschafter).

Entwicklung eines standortbezogenen Förderkonzepts (VS)

Stehen an einem Schulstandort zu wenig Leseförderstunden zur Verfügung, gibt es gelegentlich kreative Lösungen. Ein Beispiel dazu ist zu finden unter Leseprojekte: Entwicklung eines standortbezogenen Förderkonzepts

LesebotschafterInnen im Kindergarten (VMS)

Ein besonderes Leseförderprojekt kümmert sich um künftige Family Literacy. SchülerInnen der 7. - 9. Schulstufe werden in kurzer Zeit (2 - 4 Unterrichtseinheiten) zu Lesebotschafterinnen ausgebildet. Das beinhaltet das Wissen um den Umgang mit Bilderbüchern, Silben, Reim und Klatschspiele werden gelernt und durchgeführt und der richtige Umgang mit kleinen Kindern beim Erzählen oder Vorlesen wird besprochen. Das Gelernte wird in der Praxis mehrmals angewendet, entweder in der Schule im geschützten Bereich in Form von Einladungen an Eltern mit Kleinkindern zu Lesecafes oder eben in Kindergärten oder anderen Institutionen, wo Kleinkinder anzutreffen sind. So kann im schulischen Umfeld mittel-bis langfristig nachhaltig eine verbesserte Family Literacy stattfinden. LesebotschafterInnen sind die Eltern von morgen, sie werden Lust und Freude am und vor allem das Wissen über das  Betrachten von Bilderbüchern, das Vorlesen und das Erzählen mit Kleinkindern haben.
Ausführliche Projektbeschreibung: SchülerInnen als Lesebotschafter
Interessierte Schulen/Lehrpersonen melden sich bei kurt.benedikt(at)gmx.at, Unterstützung vor Ort ist möglich!  

 

 

Rotierende Lesestunde (VS/VMS)

Mit einer "Rotierenden Lesestunde" kann Raum und Zeit geschaffen werden für mehr Lesezeit. Diese betrifft alle Fächer und kann für das Lesen von Büchern, Sachbüchern oder auch Zeitschriften zur Verfügung gestellt werden. Ebenso kann aber auch zielgerichtete oder fachbezogene Lesezeit angeboten werden, mehrere Leseräume mit unterschiedlichen Angeboten erhöhen die Attraktivität und Effektivität der rotierenden Lesestunde.

Lesende Kinder vertiefen sich in Bücher und wenn Lehrpersonen als Vorbild mitlesen, wird eine außerordentliche Ruhe im Klassenzimmer feststellbar sein. Unruhen sind Zeichen, dass es an der Konzentrationsfähigkeit mangelt oder dass manche vielleicht auch nicht fähig sind, eine Stunde lang ein Buch zu lesen. Hier gilt es Alternativen oder Hilfestellungen zu schaffen, Zeiträume zu begrenzen oder zu splitten oder auch Räume für eventuell gezielt durchgeführte Leseförderungen oder Lesetrainings zu schaffen. Ein Beispiel dazu liefert das Lese-/und Lernband der MMS Seitenstetten.
Beratungen und Tipps für ein gutes Funktionieren erhalten sie bei kurt.benedikt(at)gmx.at

Websites zum Thema rotierende Lesestunde 
Praxisbericht aus der Gemeinschaftsschule Kronshagen (D) auf www.nzl.lernnetz.de (Schleswig-Holstein)
NMS Mattersburg
Mittelschule Korneuburg (NÖ)
NMS St. Anna
Terminplanung 2014-15 rotierende Lesestunde NMS Landskron

Gekürzte Unterrichtsstunden ermöglichen gebündelte Lesezeit

In Schulen wurde auch schon die Unterrichtsstunde auf 45 Minuten gekürzt und die frei gewordene Zeit für eine 20-minütige Lese- oder Lerneinheit nach der großen Pause verwendet. Die Erfahrungsberichte sind gut, ähnlich wie bei der rotierenden Lesestunde kann hier einfach vermehrt Lesezeit zur Verfügung gestellt werden oder aber zielgerichtet Lesetrainings stattfinden lassen. Auch ein Wechsel mit anderen Basics oder Modulen ist denkbar: kopfrechnen, wie lerne ich richtig, Vokabeltraining, Wortschatztraining,... 
Die 20 Minuten wurden dabei anteilsmäßig in die Lehrverpflichtung (0,4 Wochenstunden) aufgenommen.

Lesescouts unterstützen Lesekids (VMS)

Lesescouts aus den 3./4.Klassen werden ausgebildet, ausgewählte leseschwächere Erstklässler bei regelmäßigem Training zur Erhöhung der Leseflüssigkeit zu unterstützen. Mit den Lesekids angemessenen Lesematerialien werden in der Schulbibliothek vor Unterrichtsbeginn täglich 15-minütige Übungssequenzen über mehrere Wochen im ersten und im zweiten Semester durchgeführt. Ein Lesescout ist jeweils für ein Lesekid verantwortlich, paarweise wird pro Einheit ein Text wiederholt halblaut gelesen, Wörter werden geklärt und Fragen an den Inhalt gestellt. Zum Schluss werden auf einer grafischen Darstellung die Anzahl der Wörter pro Minute und die Prozentzahlen der richtigen Antworten festgehalten.
In der MS Höchst und in der MS Bregenz Vorkloster wird diese Form der Leseförderung bereits über Jahre erfolgreich praktiziert, Lesekids werden später oft zu Lesescouts, die später als Elternteile keine Scheu haben werden, ihren Kindern vorzulesen.

Tierisch Lesen - intensive und lustbetonte Leseförderung am Computer (VS/VMS)

Die Software „tierisch lesen 1“ (GS 2) und „tierisch lesen 2“ (Sekundarstufe) steht allen Schulen gratis zur Verfügung und sollten auf den Schulservern installiert sein. Verschiedene Lesestufen bieten unterschiedlichste Leseaufgaben mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Tägliche 15-minütige Übungseinheiten über einen längeren Zeitraum ermöglichen den Kindern die Begegnung mit unterschiedlichsten Fragestellungen, die sich an den Bildungsstandards Lesen und den Lesestufen des Buchklubs orientieren. Oft ist es während der Unterrichtszeit schwierig, mit Schülern regelmäßig den EDV-Raum zu besuchen. 

Manche Schulen machen aus der Not eine Tugend und öffnen ihren Computerraum 20 Minuten vor Unterrichtsbeginn, über Mittag oder auch am Nachmittag. Jeweils zehn Schüler einer Klasse sind für 2 Wochen eingeladen, sich den Leseaufgaben am Computer zu stellen. Wer eine Übung fertig und richtig hat, hakt auf einer Liste ab und geht in die Klasse. Nach diesen 2 Wochen erhalten andere Schüler die Möglichkeit zur Teilnahme. Wenn jede Klasse 2 x 2 Wochen durchgemacht hat, bietet sich eine kleine Kulturpause an, bei der Schüler ausgezeichnet werden, die besonders flink waren oder die es bis zu einem bestimmten Limit geschafft haben, die in bestimmte Kategorien aufgerückt sind… 
Begleitend stehen 2 Viertklässler als Ratgeber zur Verfügung, sie dokumentieren auch die Übungsfortschritte. 

Tierisch Lesen 1 Aufgabenlisten 
Tierisch Lesen 2 Aufgabenlisten
Urkunde

Lesekulturpausen

Während einer 20-minütigen Lesekulturpause können alle Kinder einer oder mehrer Schulstufen teilhaben an den Leseperformances ausgewählter Schüler. In der Aula, im Turnsaal, im Stiegenhaus werden Ergebnisse zum Thema Lesen präsentiert, finden Abschlüsse von Leseprojekten statt, lesen Schüler vor, spielen Vorlesetheater, stellen ihre Lieblingsbücher vor oder führen gar ein Literarisches Quartett durch. Die Wichtigkeit des Lesens wird so durch die Schule präsentiert, Ideen werden übernommen...