Kooperative Lautleseverfahren

Lautleseverfahren trainieren die Lesegeläufigkeit, im engeren Sinn die Lesegenauigkeit, den Automatisierungsgrad der Dekodierfähigkeit und die Lesegeschwindigkeit. Untersuchungsergebnisse weisen darauf hin, dass mit diesen Verfahren von der 2. bis in die 8. Schulstufe beachtliche Erfolge in der Lesegelaüfigkeit erzielt werden können. Voraussetzung ist ein wöchentliches  Training mit 3 - 4 Einheiten á 15 - 20 Minuten (oder täglich 10 Minuten) über einen Zeitraum von 8 Wochen. Unter einer Lesegeschwindigkeit von 180 WpM (Wörter pro Minute bei leisem Lesen) ist sinnverstehendes Lesen kaum möglich. (Vgl. Rosebrock, Leseflüssigkeitstraining, Klett Verlag, 2011)

Handout Lautleseverfahren (Grundsätze des Trainings, abwechslungsreiche Verfahren für die Praxis)

Lautleseverfahren in der Unterrichtspraxis

Lautlesetrainigs sind sehr intensiv, finden jeweils zu zweit statt und sollten die Dauer von 15 – 20 Minuten nicht überschreiten. Diese Verfahren eignen sich ab der 2. Schulstufe, weisen aber auch große Erfolge bei  älteren SchülerInnen auf. Trainiert wird mit allen Schülern gleichzeitig  im halblauten Flüsterton in der Klasse. Beengte Räumlichkeiten erforden kreative Lösungen (Paare vor der Klasse, Garderoben,...).  Diese Art des Trainings verbessert die Lesegeläufigkeit (reading fluency), Untersuchungen weisen darauf hin, dass durch die erhöhte Konzentration und Geschwindigkeit in Folge auch das Textverstehen erleichtert wird.
Kurze Texte (150 - 250 Wörter) ermöglichen ein tägliches Training in kurzen Unterrichtssequenzen über einen längeren Zeitraum.

Fachbeiträge Lautleseverfahren

Einfache Lautleseverfahren - Ludwig Maximilian Universität München

Nicol Masanek, Christina Schnurer - Lautleseverfahren - Landesinstitut Hamburg

Goethe Universität - Förderung der Leseflüssigkeit - Universität Bremen

Diplomarbeit PH Wallis - Förderung der Lesegeläufigkeit
Neben einer sehr klaren Aufstellung der verschiedenen Verfahren und Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis geht es in dieser Arbeit auch um die Kriterien für die Aufstellung der Tandems!

Übungsmaterial für Schule und zuhause

"100 Wörter Geschichten" Texte von Irmgard Kramer - Kinder und Jugendbuchautorin

"Flüssig lesen lernen" Übungsbuch für Silbenlesen von Dr. Gero Tacke (Klett Verlag)

Ein "KLASSE(N)VORLESEMATCH"

Ein Vorlesematch kann Anlass für ein regelmäßiges stattfindendes Lautlesetraining ab der 2. Stufe sein, dauert 5 - 10 Minuten, gefällt den Kindern aller Altersklassen und zählt nebenbei zu den effektivsten Fördermaßnahmen, um die Lesegeläufigkeit zu verbessern (sehr gut auch in der Sekundarstufe). Voraussetzung für sichtbaren Erfolg: Das Programm sollte 3 - 4 x pro Woche über 8 Wochen hindurch stattfinden.

Das Vorlesematch mit Punktevergabe sollte nur gelegentlich stattfinden, dazwischen kann auch einfach nur in Partnerarbeit geübt werden. Wichtig: Der Text wird erst gewechselt, wenn er in einem passablen Lesetempo gelesen werden kann.

Beschreibung Vorlesematch

Leseflüssigkeit testen

Leseflüssigkeit testen und mit dem Lesetest-Schlüssel beurteilen
Wer sich über die Leseflüssigkeit seiner Kinder informieren will, findet hier mit einer Excel-Datei eine schnelle Hilfe - man muss lediglich die Anzahl der Wörter eines Textes und die Lesezeit eingeben und erhält darauf die Anzahl der pro Minute gelesenen Wörter (WPM). Zudem gibt es einen Notenschlüssel für die 4. Klasse, der zum Beginn der 5. Stufe gut zu verwenden ist (nach den Ferien geht die WPM-Leistung der SchülerInnen nachweisbar zurück).

Tandemlesen

Bei diesem begleitenden Lesen lesen Tutor (sollte ein besserer Leser sein) und Schüler simultan den gleichen Text laut vor (der Tutor mit halblauter Stimme). Hilfreich ist hier auch, wenn der Tutor mit Handzeichen sichtbare Unterstützung gibt. Bei einem Beistrich zeigt der Tudant mit einer Aufwärtsbewegung der Hand, dass die Stimme gehoben wird, ebenso zeigt er durch eine  Handbewegung nach unten den Punkt an. Das muss ein wenig geübt werden, macht den Kindern aber großen Spaß.

Assisted reading – lautes Lesen mit einem Partner

Schüler lesen einem Tutor einen kurzen, für sie mittelschweren Text halblaut vor, bei einem Fehler wird der Vorleser vom Partner an der Schulter berührt und muss wieder von vorne beginnen. Der Tutor stoppt die Zeit (Handy) wenn der Text fehlerfrei vorgelesen wurde. 
Nun erfolgt ein Wechsel und die Ergebnisse der Lesezeiten werden in eine Liste eingetragen. Danach erfolgt eine Trainingszeit, wo jeder Schüler für sich halblaut vorliest. Das wiederholt sich  mit demselben Text über mehrere Stunden am Stundenbeginn. Danach wird ein schwierigerer  Text ausgesucht und der Ablauf  beginnt von vorne.

Durch die Wiederholung lernen die schwachen Leser neue Buchstaben- und Wortkombinationen und  vergrößern ihren (Sicht)Wortschatz.

Weitere Lautleseverfahren

echo reading 
Hier wiederholt der Schüler die vom Tutor vorgelesenen Sätze zeitlich verzögert.

assisted cloze reading 
Der Tutor setzt an bestimmten Stellen aus und der Schüler übernimmt die laute Lektüre 

reading while listening (auch: recorded texts) 
Das Lautlesen wird  technisch vermittelt. Die Schüler hören über Kopfhörer kurze narrative Hörbücher, die sie begleitend mitlesen. Danach üben sie einzelne Abschnitte so lange laut zu lesen, bis sie die Unterstützung durch die Aufnahme nicht mehr benötigen und den Text flüssig lesen können. Über Audacity könnten nun mit Computer, Kopfhörer und Mikrofon Leseaufnahmen von Schülern durchgeführt werden.

Zuhause vorbereitete Lautleseverfahren

In anderen Verfahren werden  SchülerInnen  in eine Vorlesesituation hineinversetzen, für die sie sich zuhause vorbereiten müssen:

read around 
SchülerInnen lesen im Klassenverband Lieblingsstellen aus selbstgewählten Büchern vor. 

listening to children read 
SchülerInnen lesen dem Lehrer oder anderen Erwachsenen vor

radio reading 
Hier wird eine literarische Radiosendung imitiert.

cross-age reading  
Eine Schulklasse liest Kindergartenkindern vor.

reading theatre 
Ein Text wird als Sprechtheater mit verteilten Rollen aufgeführt